Das Jubiläumsmärchen

Zehn Jahre Schloss Gestorf bei der STEP
Wer an einem schönen Sommertag zum ersten Mal das Schloss Gestorf besucht, der mag sich in so manches alte Märchen zurückversetzt fühlen. Wenn er den wunderschönen, vier Morgen großen, parkartigen Garten sieht, das etwas verträumt wirkende, aber solide Schloss, die zum Teil uralten Bäume, dann, ja dann, denkt er vielleicht zurück an „es war einmal in der Zeit, als das Wünschen noch geholfen hat.“

Es war einmal an einem frühen Sonntagnachmittag und es war ganz still. So ruhig war es in Schloss und Garten, dass man glauben konnte, alle Menschen die hier lebten und arbeiteten seien gar nicht da. Eine Stecknadel konnte man fallen hören, wenn man die Gemeinschafträume betrat. Die geschäftigen Amseln sahen sich im Garten verwundert um, und selbst der Igel erwachte mitten am Tag von der Stille.

Ganz plötzlich strich ein leiser Wind um das Schloss und durch die Bäume. Doch war das überhaupt ein Luftzug? – Wer genau zuhörte, der konnte Worte verstehen …

„Du Schloss, ich muss es dir mal sagen,
Wir Bäume können ´s schwer vertragen,
Wenn man uns in den Schatten stellt,
Doch du bist so, dass mir ´s gefällt.“

„Ich danke dir, du alte Buche;
Es ist halt so, dass ich versuche,
Mich so zu geben, wie ich bin.
Darin liegt ja der Häuser Sinn.

So manches ältere Gehäuse,
Ist nur noch gut für Fledermäuse.
Die hab ich auch, will mich nicht schonen,
Doch bei mir sollen Menschen wohnen.“

„Schon gut. Mit hundertzwanzig Jahren,
Und all den vielen Menschenscharen,
Darfst du auch Fledermäuse haben,
Bei allen deinen andern Gaben.

Ach ja, ich hätte fast verpasst,
Dass du ein Jubiläum hast,
Hab ´s von den Spatzen grad erfahren,
Bist bei der STEP seit nun zehn Jahren.“

„Nicht ich bin jetzt zehn Jahr bei denen,
Das will ich ausdrücklich erwähnen:
Zehn Jahre sind die jetzt bei mir,
Und danken ihrem Los dafür.“


„Du sagst es. Ja, ich geb dir Recht.
Doch keinem geht es dabei schlecht.
Du hast dich fein herausgemacht,
Und auch der STEP viel Glück gebracht.

Du hattest manches Jubiläum,
Bist aber doch noch kein Museum.
Wie oft hat man dich schon geschunden,
Doch dann hast du Kurt Huuk gefunden.“

„Vielleicht er mich, könnte man sagen.
Da müsste man die Menschen fragen.
Er sah in mir ein Potential,
Wie mein Erbauer dazumal.

Mit einem Blick konnte er sehen,
Was manche Menschen nie verstehen:
Ein jedes Ding braucht seinen Raum,
Ob Schloss, ob Tier, ob Mensch und Baum.“


„Für viele Menschen in der Sucht,
Ist hier das Ende einer Flucht.
Da können sie sich selbst versuchen,
In Park im Schloss und unter Buchen.

Früher gab ´s hier Herrn und Knechte,
Manchmal gute, manchmal schlechte.
Jetzt weht hier die Luft ganz frei,
Immer wieder wird was neu.

Wenn unter mir die Menschen sitzen,
Und unter ihren Sorgen schwitzen,
Dann spür ich den besondern Geist,
Wie du ja selbst am Besten weißt.“

„Der Geist, der jetzt in allem ruht,
Ist auch für mich als Schloss ganz gut.
Ich werd gebraucht, bin nie zu groß,
Und auf den Dielen wächst kein Moos.

Die Menschen schätzen, achten sich,
Und darum auch gerade mich.
In Freiheit Altes zu bewahren,
Das sah ich kaum vor vielen Jahren. –

Die Haltung, die das Team vermittelt,
Wird oft belächelt und bekrittelt;
Nichts ist perfekt, was Menschen machen,
Mit andern Menschen und mit Sachen.

Wenn auch der Einzelne mal scheitert,
Wird doch sein Horizont erweitert.
Er sieht, es kann auch Andres geben,
Und dass es schön sein kann zu leben.“


Aufmerksam hatten der Specht und die Eichhörnchen zugehört. Sie
sahen sich verwundert an, denn es kam sehr selten vor, dass die alte
Blutbuche und das Schloss miteinander sprachen. Aber mit neuer
Freude gingen alle wieder ihrer Geschäftigkeit nach.