Die Fabel vom Schaf mit dem Wolfspelz

Zuhause angekommen, zog das Schaf seinen Wolfspelz aus. "Warum ziehst du auch immer diesen stinkenden Balg an?" schimpfte seine Schwester.
"Ist dir denn immer so kalt?"
"Wenn ich unter die Wölfe muss, zittere ich immer," antwortete das Schaf.
"Aber jetzt werde ich mein Wolfsfell zum Pfandhaus bringen, denn ich brauche es wahrscheinlich nicht mehr."
Dort angekommen begutachtete der Pfandleiher, ein alter Bock, das Fell, nuschelte zufrieden vor sich hin, und wollte es zu all den anderen Fellen hängen. Das Schaf staunte nicht schlecht: Da hingen auf der einen Seite viele Wolfsfelle, auf der anderen aber auch viele Schafsfelle.
"Kommen denn auch Wölfe hierher, um ihre Schafspelze zu beleihen?" fragte es.
"Nein, nein!" lachte der alte Bock. "Das sind alles Felle von Schafen, die so tun wollten, als wären sie Wölfe im Schafspelz. Die schwitzen nicht schlecht in ihrer falschen Verkleidung."