Das Jahr in dem Weihnachten ausfiel

„Ich habe einfach keine Lust mehr“, sagte der Weihnachtsmann zu Knecht Ruprecht. „Jedes Jahr rackern wir uns zu Weihnachten ab wie verrückt, und nichts ändert sich auf der Welt. Dieses Jahr bleiben wir hier am Nordpol und machen uns mit den Rentieren eine schöne Zeit.“ Gesagt, getan. Die Weihnachtswichtel, die sonst immer die Geschenke einpackten, hingen von Morgens bis Abends in der Kantine rum, Knecht Ruprecht trainierte mit den Rentieren für das Alaskarennen, und der Weihnachtsmann saß tagelang vor der Glotze. Plötzlich war der Weihnachtstag gekommen, und alle hatten ein komisches Gefühl im Bauch, auch der Weihnachtsmann. Ihm war so unwohl, wie schon lange nicht mehr. Kurz entschlossen packte er Knecht Ruprecht am Kragen, setzte ihn hinten in den Rentierschlitten und fuhr zu den Menschen, um zu sehen, was sie ohne ihn an Weihnachten machten. Der Schlitten hielt in einer großen Stadt bei einem beliebten Weihnachtsmarkt an. Knecht Ruprecht ging zu einem Glühweinstand und fragte einen der Menschen dort, wie es denn so ginge. „Ach Alter, Weihnachten ist auch nicht mehr das, was es mal war. Ich glaub ja nicht an das Zeug, aber wenigstens einmal im Jahr hatten wir früher doch immer einige Stunden in denen wir uns auf uns selbst besinnen konnten. Der Anlass dazu ist doch egal. Schade, dass es dieses Jahr ausfällt.“

Der Weihnachtsmann wachte aus seinem Schlummer auf, und sah auf dem Kalender, dass erst der 16. Dezember war. Schleunigst ging er an die Arbeit, um den dummen Traum zu vergessen.