Lässig oder gelassen?

Das scheint fast das gleiche zu sein, ist aber nicht so! Denn die Lässigkeit ist durch sehr viel Gleichgütigkeit gekennzeichnet, während Gelassenheit eine tiefe innere Anteilnahme, und das, fast schon philosophische, Gespür für den Lauf der Welt voraussetzt.
Beim Lesen von Max Frisch

Max Frisch sagt, dass die beste Tarnung immer noch die Wahrheit ist. Die glaubt sowieso keiner. Muss man dann lügen, wenn man sich gar nicht tarnen will? Das ist dann die Frage.
Eine Null

Wenn jemand überhaupt keine Ecken und Kanten hat, kann er doch eigentlich nur eine Null sein, man sieht ja nichts.
Gedankenfreiheit

Aus dem Alltag, aus meinem Umfeld fallen mich, wie heute auch wieder, Eindrücke und Ereignisse an, die es mir schwer machen, dunkle Gedanken beiseite zu schieben. Und doch gelingt es mir immer wieder aufs Neue die Freiheit meiner Gedanken zu bewahren, denn ich weiß: sie ist mein höchstes Gut. Ohne Gedankenfreiheit könnte ich nur vegetieren, nicht leben. Darum: "Macht was ihr wollt; ich mache, was ich will."
Höflichkeit und Freundlichkeit

Oft ist es mir völlig gleichgültig, wenn ich unhöflich bin, wenn ich bestimmte "Spielregeln" nicht einhalte. Aber der (zu Zeiten berechtigte) Vorwurf unfreundlich zu sein, trifft mich bis ins Mark.
Nachdenkliches

"Wahrscheinlich kann man vom Nichtwollen seelisch nicht leben; eine Sache nicht tun wollen, das ist auf Dauer kein Lebensinhalt."
( Thomas Mann )
Das oben stehende Zitat von Thomas Mann hat mich vor kurzem direkt angesprungen. Weil es mich ganz persönlich betrifft.
Noch vor wenigen Jahren war das Saufen mein ganzer Lebensinhalt. Bis ich gemerkt habe, es geht nicht mehr, ich will nicht mehr. Aber dadurch, dass ich mich dazu entschieden habe, nicht mehr zu saufen, entstand ein großes Loch, eine Leere: Es fehlte etwas.
Immer wieder habe ich diese Leere mit dem aufgefüllt, was ich kannte: Dem Saufen. Nicht immer und nicht zwangsläufig, aber stets in den Situationen, in denen ich einen Halt suchte, Trost oder Lob brauchte, selbst bestätigt werden wollte.
Dadurch, dass die Suchtbefriedigung wegfällt, ist ja nicht automatisch etwas anderes da, ein Lebensinhalt fliegt einem nicht so einfach zu.
Sehr sehr mühsam musste ich ausprobieren, austesten, was ich eigentlich wirklich wollte. Jetzt erst ist mir klar, dass das Ganze ein Weg ist, ein Prozess, von dem ich längst nicht immer weiß, wie er ausgeht und wohin das führt.
Noch einmal zu Rilke

Über zwei ganz unterschiedliche Quellen bekomme ich nun einen inneren Zugang zu Rilke: Peter Ustinov (siehe Rilke-Projekt) und vor allem Marina Zwetajewa. Die Meisterschaft von Rainer Maria Rilke im Umgang mit Sprache habe ich ja immer schon gespürt. Was mich abstieß war eine bestimmte Art von Weltfremdheit, die mir nun der Briefwechsel mit Marina Zwetajewa völlig nimmt und etwas Neues schenkt: Einen der größten Lyriker der deutschen Sprache.Dazu kommt dieser emotionale Zugang durch Sir Peter. Sehr eigenartig das ganze, aber toll.

Selbstredend

Die Ebner-Eschenbach schreibt: "Solange man selbst redet erfährt man nichts." - Das ist nicht ganz richtig; man kann ja während des Redens sein Gegenüber beobachten, und erfährt dann wie das wirkt, was man sagt.
Tagesspruch 21. August 2007

Ich kaue nicht gerne auf der eigenen Vergangenheit herum, schließlich will ich sie ja nicht verschlucken, und die Zukunft schmeckt viel besser.
Über Moral

Immer wieder erlebe ich Menschen, die ihr eigenes Verhalten nach einer Moral beurteilen, die gar nicht ihre eigene ist. Sie zweifeln dann an sich selbst, weil es ihnen nicht gelingt Moralansprüchen gerecht zu werden, die sie nie wirklich bewusst zu ihren eigenen gemacht haben. Das führt häufig dazu, dass sie ihre "persönliche Moral" verändern wollen, was natürlich unmöglich ist; verändern lässt sich nur das eigene Verhalten.
Dieser ganze Sachverhalt ist eines der Grundübel in dieser Gesellschaft.
Leere
Vollständige Leere ist für uns nicht vollstellbar, sie ist zumindest immer mit dem "Nichts" gefüllt. Was dies ist, weiß niemand.
Gewissen

Sein Gewissen war kein reines,
es war so: er hatte keines.
Die Hölle

Die beste Beschreibung der Hölle ist für mich ohne Zweifel die Geschichte vom Schlaraffenland. Denn was könnte schlimmer sein, als dass einem alle Wünsche sofort erfüllt werden, dass es nichts mehr zu tun gibt, als zu konsumieren?
Der Käfer

Von Arthur Schopenhauer stammt der berühmte Satz: „Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten, aber alle Professoren der Welt zusammen können keinen herstellen“.
Dem will ich hinzufügen, dass alle Professoren der Welt zusammen noch nicht einmal genau beantworten könnten, warum es diesen Käfer gibt und was dieser Käfer macht.
Freude und Verantwortung

Freude und Verantwortung können sich nicht ausschließen, da die Freude ja sonst keine echte mehr ist.
Über den Sinn des Lebens

Gar nicht so wenige Menschen denken nie über den Sinn des Lebens nach. So wie sie sich gerade befinden, sind sie zufrieden oder sie haben weder die Zeit noch die Kraft dazu, weil sie mit Überleben beschäftigt sind. Andere wissen, dass ihnen da „irgend etwas“ fehlt. Gebannt wie ein Kaninchen sitzen sie in einer Ecke ihrer Existenz, und warten darauf, dass ihnen ein Lebenssinn zufällt, wie ein Lottogewinn. Das kann die Ursache haben, dass sie sehr träge sind und keine Lust haben sich mit diesem schwierigen Teil ihres Daseins zu befassen. Sollen sie warten! Noch andere suchen wirklich einen Lebenssinn. Ihr Problem ist oft, dass sie nicht wissen, wie sie diese überaus anstrengende und mühsame Arbeit angehen sollen. Ihnen ist sehr schwer zu raten, da es weder einen allgemein gültigen Weg, noch irgendwelche bewährten Rezepte dazu gibt, mit einer einzigen Ausnahme: der Weg des bewussten Experiments. Experimente aber können auch fehlschlagen.
Wahrheit

Nur wer die Wahrheit (Wirklichkeit?) kennt, kann lügen; ansonsten hat man sich einfach geirrt.
Lyrik herstellen

Eigentlich ist es ganz einfach. Zunächst setzt man die Gesetze der Gravitation außer Kraft, ja, überhaupt alle Naturgesetze. Dann baut man sich eine Hülle aus Rhythmus und Sprachgefühl und füllt sie mit Silben und Worten. In diese Hülle gießt man dann seine Inspirationen, Impressionen und Gefühle, und fertig ist das Ganze. - Man sieht, eigentlich kann gute Lyrik gar nicht geschrieben werden. Wenn sie nicht schon irgendwie vorhanden wäre, ohne bisher aufgegriffen worden zu sein, lässt sie sich nicht herstellen. Das ist das ganze Geheimnis. Aber was für eines!
Das Urlaub

Früher gab es in unsern Wäldern viele, heute ausgestorbene Tiere. Dazu gehörte auch der Auerochse, das Ur. Nach dem Brauch der Jäger wurde ein erlegter Ur mit Laub und Zweigen geschmückt, um seinen Geist zu ehren. Auch mussten die Götter und Häuptlinge um Erlaubnis gefragt werden, ob ein solcher Ur erlegt werden durfte. Das ist im Mittelhochdeutschen „urloup“. Also müsste es eigentlich „das“ Urlaub (das Laub vom Ur) oder „die“ Urlaub (die Erlaubnis) heißen.
Ein Diamant kann nicht verfaulen, aber er hat ja sein Leben auch nur durch die Einbildung der Menschen.
Ein eifersüchtiger Mensch fragt sich leider nur, was hat er oder sie, was ich nicht habe. Dabei müsste er sich fragen, was ist sie oder er, was ich nicht bin; der Besitz, nicht das Sein ist zum Maßstab aller Dinge geworden.