Ode an Horaz
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Phantasiedarstellung nach A. Werner
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Oh, das Mädchen liebt
den knabengleichen jungen Mann, und Horazen knurrt der Bauch. Er grollt, der Alte, grollt ganz bitterlich, weil sie es wagt, heiteren Sinns! Wirft einfach alles weg für so einen Kerl! Da schau an! Sie flieht über blühende Hänge hin zur Schulter, zum pochenden Leben des herrlichen Jünglings, der nichts tut, als sie zu halten, so, wie ein Mann eine Frau hält: Kraftvoll, ohne ihr wehzutun, sanft... Keine Bedingung und kein Versprechen! Nur dieses eine Gefühl, dieses Dasein ganz eins mit sich selbst! Oh, Augenblick! Ach, du armseliger Dichter, dem der Kopf saust! Hast du dir nicht überlegt, wie oft du das Mädchen gekränkt mit deinem Zynismus, wie oft sie verletzt, mit deinem galligen Sinn? Du verstehst doch die Welt? Wenn-nicht-du-wer-dann? War je deine Berührung arglos, je deine Liebkosung so, dass die Sinne ihr schwanden? Hast du nicht ihre Lippen mit Wein getränkt statt mit Küssen und sie zur Hure gemacht im düstersten Rausch? Jetzt, da sie sitzt unter blau-blauem Himmel im Gras mit dem Knaben, frisst dich der Neid und von giergem Verlangen durchschauert, schmiedest du leidende Verse der Nachwelt. Lächerlich sei sie, sagst du... Doch Halt! Mag auch ein jegliches Wort, das du sagst, aufwiegen zehntausend Bücher: Sein ruhiger Atem wiegt mehr und das Mädchen nur sanft und getrost in den Schlaf... |
Copyright Gabriele Brunsch