Jene junge, alte Sprache

So zärtlich locken die alten Worte,
Ich wiege sie, ich forme sie,
Und spüre die längst verschwundenen Orte,
Erschaff sie erneut in der Phantasie.

Ich erträum das Gesicht von Reimar dem Alten,
Die düstere Burg des von Wolkenstein.
Bevor meine Träume verfliegen, erkalten,
Leg ich in sie meine Gedichte hinein.

Ist Sprache hier nur Vergangenheit?
Ich glaub es nicht, kann sie jetzt doch fühlen!
Und trennt mich auch ein Meer an Zeit
Von jenen Minnesang - Rankünen,

Von zeitlosem Weh und Liebesleide,
Vom Leben und Denken des Hartmann von Aue,
Von Walter von der Vogelweide,
Ist ´s doch ein Empfinden, dem ich hier vertraue.

Von jener Sprache die Schönheit, die Kraft,
Die spür ich, die kann ich ja heute empfinden.
Jene alte Sprache, sie lebt und sie schafft,
Zaubert mich unter Minnesangs Linden.