Hannover

Du Cité Hannover, du kalte, du spröde.
Ich muss es gestehen, ich kenne dich nicht.
Für mich warst du hässlich, verkommen und öde,
Doch langsam erkenn ich dein andres Gesicht.

Ich kenn deinen Moloch, den Sumpf, den Morast,
Den Protz deiner Reichen, den Dreck deiner Armen.
Hab dich dafür schon immer so ziemlich gehasst.
Das Bild will nicht weichen, doch du willst dich erbarmen:

Zeigst mir Ruhe und Stille, und das trotz deiner Größe.
Du hast Künste und Bilder, nicht nur schlechte Replik,
Eine unglaubliche Fülle. Schämst dich nicht deiner Blöße.
Doch am meisten beeindruckt mich deine Musik.

Seh den Park Herrenhausen, die Bult und die List,
Und den Markt und die Leine, und den Wald Eilenriede,
Wie trotz Krieg und auch Grausen so vieles sehr schön ist.
Seh das grobe, das feine, und trotz Lärm spur ich: Friede.

Du Cité Hannover, du kalte, du spröde,
Verbirg mir nicht mehr, deine Kraft, deinen Charme!
Vielleicht lern ich dich lieben, du bist gar nicht öde,
Denn trotz deiner Kälte bist du manchmal auch warm.