Die hungrigen Kinderaugen

(Auch nach Arthur Rimbaud: " Effares")
Fünf Kleine an den Kaufhausfenstern,
Die Nasen plattgedrückt, ganz weiß.
Die Augen groß, wie von Gespenstern,
Manchmal ein Seufzen, zäh und leis.

Das rote Auto, die Barbiepuppen,
Der Legokasten, die Puppenwiegen,
Aus Enterprise die Sternenschnuppen,
Das alles können sie nicht kriegen.

Die Mutter weis nichts, nichts Böses, nichts Frommes,
Will nur überleben, will Arbeit, will Lohn.
Im Bauch der fünf Kleinen nur Limo und Pommes,
Die Mutter hungert seit Tagen schon.

Sie hat nie gelernt, wie man kämpft, wie man bettelt,
Sie kennt sich nicht aus bei den Anlaufstellen,
Und hat sich bei den Ämtern verzettelt,
Muss die Kinderbitten nach hinten stellen.

So groß sind die Augen der Kleinen, sie flehen.
Vom Überfluss woll´n sie auch etwas haben.
Sie können das dauernde Nein nicht verstehen,
Sehn doch im Kaufhaus viele Hunderte Gaben.

Doch alles Sehnen ist ja zu nichts nütze,
Denn Geld ist nicht da; die Mutter kriegt Stütze.