Der dumpfe Mob

Die kleine Kriegsfibel 57
Franz Wilhelm Seiwert, Demonstration, 1925
Wir finden vieles zwar verkehrt,
Doch haben wir uns nie gewehrt;
Mit allem finden wir uns ab,
Mit Völkermord und Massengrab,
Solang es uns nicht selbst betrifft. -
Wir sind für jedes Land das Gift,
Das zwischen alle Völker fließt,
Von weitem auf die Armen schießt.
Wir wählen nur, weil man ´s uns sagt,
Und haben gar nichts hinterfragt.
Wir grölen nur am Stammtisch laut.
Wenn man uns in die Pfanne haut,
Dann werden wir ganz winzig klein,
Und wollen doch die Größten sein.
Als Maden wollen wir den Speck,
Und sind ja nur der letzte Dreck.

Doch wehe, wenn man ´s uns erlaubt,
Und etwas uns die Ruhe raubt,
Dann werden wir zum wahren Mob,
Nicht wie ein Volk, das sich erhob,
Und schlagen alles kurz und klein,
Das nur, um mit dabei zu sein.
Ein jeder, der dann anders ist,
Ob Hindu, Muslim, Jude, Christ,
Wird plötzlich nur als Feind gesehn,
Wenn wir mal auf die Straße gehn,
Denn wir sind niemals tolerant,
Im besten Falle ignorant.

Ansonsten sind wir faul und satt,
Es gibt uns fast in jeder Stadt,
Was stört uns fern die Hungersnot,
Wenn hier ein kühler Sommer droht!
Wir sind ein Teil vom ich und du,
Und wollen meistens unsre Ruh.
Wir fragen niemals, was das soll,
Wir finden nur uns selber toll,
Der Rest soll doch zum Teufel gehn,
Und wer kann diesen schon verstehn?